Zitat des Tages

Mittwoch, 26. Februar 2014

Im Labyrinth der Fugger - Rebecca Abe


Ein historischer Roman um Anna Jakobäa Fugger, am Ende ihres Lebens, passieren wir mit ihr zusammen die Geschehnisse seit ihrer Kindheit.
Alles beginnt damit, dass Kellenbenz, ein Kürschnermeister, der als Strafe einen Teil seiner Zunge verloren hat, mit einem besonderen Auftrag betraut wird. Dieser Auftrag soll dazu dienen, Unfrieden in der Familie des Auftraggebers zu schaffen. Als er den Auftrag abgeben möchte, nimmt er sein einziges Kind, Bianka mit und während er mit seinem Auftraggeber noch spricht und den Lohn erhält, verschwindet sein Kind.

Im Folgenden erlebt der Leser die Suche von Kellenbenz, der ihn in die Welt der reichen und außergewöhnlichen Familie Fugger führt. Der alles zusammenhaltende Anton Fugger ist verstorben und damit beginnt eigentlich der Kampf um Macht, Geld und Ansehen. Die gleichmäßige Verteilung des Erbes gefällt einigen Familienmitgliedern nicht, insbesondere, da Anna und ihre viele Geschwister Aussicht haben, das mächtige Imperium eines Tages zu erben, da die anderen Geschwister von Annas Vater keine Erben haben. Davon bekommt Anna jedoch recht wenig mit, vielmehr erfreut sie sich in einem schönen Zuhause aller Dinge, die ihr geboten werden.
Doch dies ändert sich, als sie eines Nachts Zeugin wird, wie der Teufel die Küche des Fuggerschen Anwesens heimsucht. Die Mutter, bisher überzeugte Protestantin holt den Pater Canisius zur Hilfe. Dieser übernimmt immer mehr eine wichtige Rolle im Hause Fugger und sorgt dafür, dass sich die abtrünnigen Protestanten wieder dem "wahren" Glauben, dem Katholizismus zuwenden und dass die Kinder eine Erziehung im Sinne des Glaubens erhalten. Mehr und mehr wird das Heim Annas von einer hellen, schönen und lehrreichen Welt zu einem düsteren Ort, an dem Spass, Spiel, Musik und Bildung für Mädchen nunmehr keinen Platz mehr finden. Zur besseren "Intergration" der Kinder werden diese auf Geheiß des Paters Canisius in Klöster verbannt und somit der Familie und dem gegenseitigen Halt entrissen.
Der Unfrieden ist vorhanden, die Familie ist getrennt und viele Schicksalsschläge ereignen die Familie. Anna beginnt zu forschen und kommt einer unheimlichen Verschwörung auf die Spur. Wird es Anna gelingen, alle Stränge dieser Verschwörung zu sehen, die Urheber zu entlarven und ihr Glück zu finden ?

Das mit kleinen Illustrationen der Autorin versehene Buch und tadelloser Recherche von Rebecca Abe entführt den Leser in das 16. Jahrhundert, in eine Zeit, in der die katholische Kirche ihre Macht verlor und sich gegen die Protestanten mit allen Mitteln zur Wehr setzte. Teufelsaustreibungen, Verbot von jeglicher Freude und stundenlange Gebete waren die Hilfsmittel, die auch im Haus Fugger angewandt wurden. Der Roman basiert auf wahren Begebenheiten, im Buch werden insbesondere die innerfamiliären Querelen, die Boshaftigkeit und auch das Unglück der Familie Fugger trefflich dargestellt. Ein Buch, das mit kurzen Kapiteln auwartet, die jedoch dazu anhalten, es nicht mehr aus der Han zu legen, da die Geschichte von Seite zu Seite an Spannung gewinnt. Sehr schnell gelingt es dem Leser sich mit den Figuren zu identifizieren oder eine Abneigung gegen sie zu haben. Insbesondere wird im Roman auch deutlich dargestellt, dass Mädchen und Frauen der damaligen Zeit nicht wissbegierig, interessiert und gebildet sein sollten, sondern nur gefügig und unscheinbar, was sowohl Pater Canisius als auch dem Bruder Annas, Phillip zugute kommt, um das Familiendrama zu eigenen Gunsten zu nutzen.

Auffallend gut hat mir gefallen, dass die Personen in einem eigenen Register aufgeführt wurden, eine Karte des damaligen Augsburg vorhanden ist und im Anhang noch einige Erklärungen sowie weiterführende Quellen benannt sind.

Insgesamt muss ich sagen, dass ich nach langer Zeit wieder Freude hatte, einen historischen Roman zu lesen und ich kann diesen nur jedem empfehlen, der gerne historische Romane liest. Daher fünf Sterne für dieses Buch

Bildquelle www.amazon.de