Zitat des Tages

Samstag, 8. Februar 2014

Im Netz der Menschenfischer - Ein Alptraum unter südlicher Sonne - Coletta Col (eBook)



Regina, Generation 50+, die Hauptperson in diesem Soziothriller, überredet ihre Freunde zu einem griechischen Abenteuer, dessen Folgen sich selbst in den kühnsten Phantasien nicht vorhersehen lassen. Der Traum vom Lebensabend in der südlichen Sonne lässt aus agilen, lebensfrohen, selbstbewussten Senioren im Laufe des Geschehens psychisch und physisch hilflose Wracks werden, die sich mangels eigenen Antriebs nicht mehr aus den Fängen der „Altersfleckenmafia“ befreien können. Dabei hatten sie nur den Wunsch, in Würde und selbstbestimmt zu altern. Die Angst vor dem drohenden Pflegenotstand in Deutschland diente dabei als Hauptmotivation. Mafiöse Strukturen, der Inbegriff des organisierten Verbrechens, verschonen auch alte Menschen nicht. In Griechenland, dem Ort der Handlung, umfasst ihr Einfluss eine ganze Stadt. Ausländische Senioren, die dem klassischen Pflegenotstand in Deutschland entfliehen wollen, werden durch vollmundige Versprechungen nach Griechenland gelockt und hier ihrer persönlichen Freiheit systematisch beraubt. Sie sind nicht ganz unschuldig an dem, was ihnen widerfährt, streben sie doch wie die meisten Menschen nach der Optimierung ihrer Lebensverhältnisse, ohne dabei die nötige Vorsicht walten zu lassen. Sie kommen freiwillig und werden ihr Traumziel nicht mehr lebend verlassen. Mitleid existiert in der Welt des Verbrechens nicht. Was zählt, sind Geld und Einfluss. Im Hintergrund zieht der „Padrone“ als Schattengestalt die Fäden. Er agiert in einem mörderischen Milieu, das weder Recht noch Gesetz akzeptiert. Ein Menschenleben zählt hier nicht. Die vorherrschenden wirtschaftlichen Verhältnisse spielen ihm dabei in die Hände. Eine unerwartet auflebende familiäre Bindung könnte sich fast zu spät als Rettung erweisen, doch zu welchem Preis?

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Schon das Cover diesee Buches hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Eine Spinne, die in der MItte eines Netzes sitzt, blutrote, leicht auslaufende Schrift und ein verschwommener Hintergrund lassen nichts Gutes ahnen.

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In der Geschichte um Renate, Mia und ihre Freunde aus dem "Altersfleckenclub" geht es um würdiges Altern, Pflege und unseriöse Geschäfte. Wer denkt nicht jetzt schon an die Zeit, wenn man zu alt ist um alleine im eigenen Heim zu leben? Wo kann man in Würde altern, ohne dass sich der Pflegenotstand bei sich bemerkbar macht ? Wer möchte schon in überfüllten Heimen mit überfordertem Pflegepersonal und unzureichender Versorgung leben ? All diese Fragen stellen sich die Protagonisten in diesem Soziothriller und denken, sie haben den besten Weg gefunden, einen schönen und entspannten Lebensabend zu verbringen. Eine Seniorenresidenz in Griechenland mit einem schönen Appartment und zugesicherter Pflege im Falle des körperlichen und geistigen Verfalls. Doch es soll alles ganz anders kommen, denn je mehr Luxusappartments verkauft werden, umso schneller müssen die Alten "entsorgt" werden und in Massenunterkünften bei wenig Aufwand "zu Tode gepflegt" werden. Die Gewinnmaximierung des Betreibers der Seniorenresidenz, der Grieche Stavros, steht im Vordergrund und er schreckt in dem Zusammenhang auch nicht vor Mord zurück.

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In diesem Buch werden Missmanagment, schlechte Bezahlung, der Wunsch nach würdigem Altern und der Pflegenotstand zu einem Soziothriller verwoben, der den Leser zum Nachdenken bringt. Unter Berücksichtigung der aktuellen Lage im Bereich der Pflege, der Rentenversicherung und der Krisen in Griechenland, Spanien und Portugal erscheint es gar nicht so unwahrscheinlich, dass der im Buch beschriebene Fall tatsächlich so eintreten könnte.
Das Buch regt zum Nachdenken an und es hinterlässt ein beklemmendes Gefühl

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Einige kleine Schwächen, so zum Beispiel zur Frage der Rente, wovon die Protagonisten in Griechenland leben und wie ein gesamter Landstrich grundsätzlich korrupt sein kann, sind vorhanden, insgesamt jedoch hier vier von fünf Sternen.

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